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  • AutorenbildHeike Dahner

Die intensivste Achtsamkeitsübung in meinem bisherigen Leben

Von einem Moment zum anderen ändert sich plötzlich das Leben. Alles nur noch im Schneckentempo, der Toilettengang ist gefühlt ein Marathon und das Duschen eine Tagesaufgabe.


Doch was ist passiert?


Nun ja, ich habe eine letzte Treppenstufe übersehen und „zack“, schon lag ich da. Bei diesem Sturz habe ich mir beide Füße verletzt. Zum großen Glück haben wenigstens meine Hände, Arme, das Gesicht und der ganze Kopf nichts abbekommen. Daher habe ich wirklich noch Glück im Unglück gehabt. Das Ganze ist bereits vor einigen Wochen passiert. Auf der rechten Seite habe ich mir eine Sprunggelenks-Fraktur zugezogen, den linken Fuß habe ich mir dabei heftig verstaucht und geprellt, alles ist blau und stark angeschwollen. Ich trage nun rechts einen schicken „Skischuh“ und bin dankbar, dass es zumindest kein Gips ist.


Ja, nun bin auch ich eine von vielen, die so etwas erlebt haben. Ich will das auch überhaupt nicht dramatisieren. Ich möchte euch heute lediglich meine Sichtweise, Erkenntnisse und Emotionen dazu mitteilen. Ich bin der Ansicht, dass sich der Eine oder Andere daraus für sich selbst etwas mitnehmen kann.


Derzeit habe ich also eine wahrlich große Achtsamkeitsübung Tag für Tag zu bewältigen. Jede kleine Bewegung, die von meinen Füßen noch nicht so ausgeführt werden kann, wie ich das gerne hätte, wird mit Schmerzen beantwortet. Jeder Schritt ist also mit Bedacht auszuführen. Mal schnell auf die Toilette, nicht einmal das ist möglich, selbst wenn es dringend sein sollte. Auch dabei muss ich sehr achtsam sein, langsam gehen damit nichts verdreht und keine falsche Bewegung ausgelöst wird.


Die Wahrnehmung des Körpers wird gerade meisterlich geschult, vorwiegend in der Beachtung meiner Füße. Unsere Füße tragen uns durchs Leben. Doch derzeit ist das nur sehr eingeschränkt bzw. gar nicht möglich. Bei Treppen ohne Geländer habe ich keine Chance und längere Zeit stehen, um etwas zu erledigen, ist mir kaum möglich. Sehr viele Alltagsdinge erledigen im Moment viele Helferinnen und Helfer aus meiner Gemeinschaft, auch meine Mutter hilft mir sehr viel. Da ich Single bin, ist dies ein ganz großes Geschenk, sonst wäre ich mit der derzeitigen Situation nicht nur völlig überfordert, sondern ziemlich aufgeschmissen. Ich erlebe gerade ein wunderbares Miteinander und Füreinander und nicht wie heute in der Gesellschaft üblich, ein Egoverhalten oder ein stetes Gegeneinander. Ich muss nicht einmal ausdrücklich um etwas bitten oder gar betteln, es geschieht einfach und wie von selbst und alles geht reibungslos ineinander über. Ich fühle mich unfassbar gut aufgehoben.


Als der Sturz passierte war das zunächst ein großer Schock. Ich musste mich erst einmal sammeln und sortieren. Und ich war mir sofort darüber im Klaren, dass dieser Schock so schnell wie möglich aus meinen Füßen, meinem Körper und meinem Geist entweichen muss, um eine ganzheitliche Heilung erfahren zu können. Warum ganzheitlich? Es war doch ein Unfall, der nur meinen Körper lädierte, könnte man auf den ersten Blick meinen....


Mir wurde sehr schnell bewusst, dass dies ein Zeichen war, denn nichts passiert umsonst. Es gilt inne zu halten und zu schauen, warum ich gerade jetzt so ausgebremst wurde. Es geht um Stillstand, Geduld und Achtsamkeit. Zudem war für mich sehr interessant, dass ich mich in einem „merkwürdigen“ Zustand befand. Eine Art seelischer Ruhezustand, der etwas von Friedlichkeit hatte. Seltsam, dachte ich so für mich, was ist das bloß für ein Gefühl? Ein völliges Losgelöst Sein vom bisherigen Alltag. Auch wenn ich sehr eingeschränkt bin in meinen Bewegungen, so fühle ich mich dennoch in meinem Geist freier als je zuvor. Ich erkenne darin eine Chance Dinge zu sehen, die ich vorher nur erahnt habe oder die mir gänzlich verborgen geblieben waren. Mein Erfahrungsschatz erweitert sich täglich und ich sauge diesen Zustand seelisch-geistiger Wachheit ganz bewusst auf, da er mir so einiges an „Offenbarungen“ bietet.


Alleine schon diese behutsame Achtsamkeit, sprich wie ich mich bewegen muss, was ich mir zumuten kann und was nicht, ist sehr spannend zu beobachten. Ebenso wie Körper und Geist in einem harmonischen Zusammenspiel täglich an den Selbstheilungskräften arbeiten. Ist es nicht gigantisch, dass unsere Körper in der Lage sind Knochen und Bänder ganz einfach wieder zusammenwachsen zu lassen? Was können Körper und Geist wohl sonst noch so alles? Wir verlassen uns viel zu wenig auf unsere Selbstheilungskräfte. Mein behandelnder Arzt sagte etwas zu mir, was ich in Zeiten der „überaus fortschrittlichen Schulmedizin“ doch sehr beeindruckend fand: „Die Menschen wären schon längst ausgestorben, wenn es die Selbstheilungskräfte nicht gäbe“! Wir dürfen lernen uns zu vertrauen.


Worauf freue ich mich derzeit am meisten?

Fast schon auf eine Banalität für die meisten und zwar einfach darauf, wieder so schlafen zu können, wie es für mich am gemütlichsten ist und in welcher Stellung ich mich am wohlsten fühle und meinen Rücken am besten entlasten kann. Tja, auf so etwas Simples reduzieren sich die sehnlichsten Wünsche dann....

 

Oder sollte ich mir lieber große Ziele vorstellen?

Ja, das tue ich ebenfalls! Ich sehe mich jetzt bereits, wie ich die erste größere Wanderung mit meinen lieben Freunden unternehme und ich freue mich auf das Frühjahr. Ich entwickle gerade ein ganz neues Körpergefühl, obwohl das auch vor dem Unfall gar nicht so schlecht ausgeprägt war. Dennoch wurde mir nun klarer denn je, mein Körper möchte endlich ausgiebig bewegt und trainiert werden. Zu lange habe ich das hinausgeschoben. Vieles war wichtiger…wie so oft, wenn man sich in einer täglichen Tretmühle befindet.


Eine Veränderung in meinem Alltag und in der Berufung, die ich entdecken und ausüben möchte, darf kommen. Nun habe ich die Chance dazu, ich empfinde es sogar mehr als eine Art Aufforderung des Lebens an mich, Veränderungen zuzulassen. Festgefahrene Gedanken- und Verhaltensmuster dürfen sich auflösen und ich freue mich sogar darauf.


All dies hätte ich nicht so wahrgenommen, wenn dieser „Bruch“ nicht gekommen wäre. Ein Stillstand, um Ruhe und Ordnung in den Geist zu bringen. Vertrauen statt Kampf. Ich sehe meiner neuen Orientierung freudig entgegen und bitte meine Seele sowie meine geistigen Helfer mir entsprechende Zeichen und Impulse zu senden.


Meinem heutigen Empfinden nach ist es sehr wichtig, das Ganze nicht nur als Unfall mit körperlichen Verletzungen zu sehen. Wir können Körper, Geist und Seele nicht einfach voneinander trennen. Alles hängt miteinander zusammen und bedingt sich gegenseitig. Es lohnt sich also, diesen Umstand ins Visier zu nehmen.


Die Seele weiß ganz genau, was ansteht, nur das Ego steht uns dabei oft im Weg!

Nach der Germanischen Heilkunde wurde ein Konflikt bei mir gelöst. Eine sehr spannende Sichtweise.


Ich wünsche euch liebe Leserinnen und Leser ein gutes Achtsam-Sein mit sich und den Mitmenschen.




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